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2001.január 15.

   

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LAJOS ORDASS (1901 - 1978)

In wenigen Tagen würde einer der bekanntesten Kirchenmänner Osteuropas aus den Zeiten des Kalten Krieges 100 Jahre alt werden. Anlass genug, um ihn in einem kurzen Rückblick zu würdigen.

Es ist der ungarische lutherische Bischof Lajos Ordass, geboren in Torzsa am 6. Februar 1901 als Lajos Wolf - er hatte seinen deutschen Namen aus Protest gegen den Einmarsch der Wehrmacht 1944 in Ungarn abgelegt.

Lajos Ordass (1901-1978), Bischof der Evang.-Luth.Kirche in Ungarn

Der Bischof

Als Lajos Ordass in 1945 für das Amt des Bischofs in der grössten Diözese der Evang.-Lutherischen Kirche in Ungarn (ELKU) gewählt wurde, nahm er eine schwere Verantwortung auf sich. Nach dem langen Krieg schien die wirtschaftliche Lage seiner Heimat hoffnungslos zu sein. Viele Leute lebten in äusserster Armut. Mehr als 60 Prozent aller kirchlichen Gebäude waren mehr oder weniger beschädigt oder zerstört, und die Aktivität der Kirche dementsprechend gelähmt.

Bischof Ordass führte ein Visitationsprogram mit grosser Energie und Gewissenhaftigkeit durch. Im Laufe weniger Jahren bekamen selbst die verstecktesten Diasporagemeinden Besuch ihres Bischofs. Mit vielerlei Hilfe von Glaubensbrüdern im Ausland und bewunderungswerter Opferbereitschaft der Kirchenmitglieder wurde der Wiederaufbau in Gang gesetzt. Bald sollte aber die Kirche und ihr Bischof noch schwierigeren Problemen gegenüberstehen.

1948 war es den ungarischen Kommunisten gelungen, unter dem Schutzmantel der russischen Besatzung die volle Macht in Ungarn zu übernehmen. Es wurde ein schonungsloser Kampf gegen die "reaktionären Elementen" eingeleitet und unter diesen Elementen waren selbstverständlich auch die Kirchen. Die stalinistischen Führer leiteten einen Generalangriff gegen die konfessionellen Schulen ein. Damals waren 60 Prozent aller Schulen, von der Volksschule bis zur Hochschule, kirchliche Institutionen.

Der Gefangene

Bischof Ordass war einer der Wenigen, der den Drohungen von staatlicher Seite nicht nachgab. Sein Widerstand gegen die Enteignung der konfessionellen Schulen war der unmittelbare Anlass seiner Verhaftung und Verurteilung zu 2 Jahren Gefängnisstrafe, obwohl in einem Schauprozess als offizieller Grund angegeben wurde, dass er es "unterlassen hat, ein Guthaben in einem anderen Land der Nationalbank zu melden."

Erst 6 Jahre nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wurde er von Staat und Kirche "rehabilitiert". Dies geschah im Sommer 1956, wenige Monate vor dem ungarischen Aufstand. In der Zwischenzeit hatte ihn seine Kirche - unter staatlichem Druck - seines Bischofsamtes enthoben und einen Nachfolger gewählt.

Am Reformationstag, den 31. Oktober 1956, wurde Lajos Ordass wieder in sein Amt als Bischof seiner Diözese und leitender Bischof seiner Kirche eingeführt. Selbst nachdem der Aufstand niedergeschlagen war, ließ man ihn zunächst gewähren, seine bischöflichen Funktionen ausüben. Er erhielt sogar Erlaubnis ins Ausland zu reisen und nahm u.A. an der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Minneapolis / USA im August 1957 teil. Hier wurde er zum Vizepräsident des LWB gewählt und war bis zu seinem Tode Ehrenmitglied des Exekutivkomittees.

Immer mehr wuchs aber der Widerstand gegen ihn im Staatlichen Kirchenamt. Er hatte zwar keine antikommunistische Äusserungen gemacht, zugleich aber auch versäumt, in seiner Heimat und im Ausland Erklärungen abzugeben, "die hätten helfen können, die Errungenschaften der sozialistischen Welt besser zu verstehen." Selbst in seiner eigenen Kirche tauchten Gegner auf. Bischof Vetö und der Theologieprofessor Pálfy griffen Ordass mit öffentlichten Artikeln in der Presse an.

1958 wurde er durch das Staatliche Kirchenamt in Budapest seines Amt enthoben und lebte von da an in seiner Wohnung in der ungarischen Hauptstadt, ohne Erlaubnis zu predigen, von der Möglichkeit ins Ausland zu reisen ganz abgesehn. Für einheimische Pfarrer war der Kontakt zu ihm mit Gefahren verbunden. Er war ein Verfemter in seiner eigenen Kirche. Aber in vielen Ländern ist dieser Diener Gottes nicht in Vergessenheit geraten.

Der Übersetzer

Nur fünf Jahre lang konnte diese ausserordentliche christliche Persönlichkeit seinen Dienst als Bischof ausüben. In den Zeiten des Kalten Krieges ist sein Name aber in der ganzen christlichen Welt bekannt geworden. Nicht zuletzt deswegen, weil er auch als Übersetzer christlicher Literatur eine bemerkenswerte Tätigkeit entfaltet hat.

Auf einer Studienreise in Schweden in 1927-28 wurde er mit hervorragenden Persönlichkeiten des skandinavischen Kirchenlebens bekannt. Der Neutestamentler Prof. Anders Nygren war sein Lehrer, der spätere Bischof Bo Giertz sein Studienkollege und der Erzbischof Nathan Söderblom sein väterlicher Förderer. Von dieser Zeit an baute der junge Pfarrer und spätere Bischof weitreichende zwischenkirchliche Kontakte aus und trug mit vielen Vorträgen und mit der Übersetzung ausländischer kirchlicher Literatur dazu bei, dass kirchliches Leben außerhalb Ungarns in seiner Kirche nun besser bekannt wurde.

Über den Kirchenkampf der Norwegischen Lutherischen Kirche hielt er während des 2. Weltkrieges Vorträge für Pfarrer in Ungarn. Während der Kämpfe in der ungarischen Hauptstadt, da die Bevölkerung zwei Monate lang in Zufluchtsräumen und Kellern wohnte, übersetzte er Dramen des dänischen Dichterpfarrers Kaj Munk ins Ungarische.

1973 erhielt er den Ehrendoktor von der Universität in Reykjavik für seinen Dienst an der Weltkirche und für die Übersetzung der "Passionspsalmen" des grossen isländischen Dichters Hjalgrimur Petursson aus dem Isländischen ins Ungarische. Einige seiner Bücher sind auch im Ausland auf Deutsch und Englisch erschienen.

Das Symbol eines unbesiegbaren Glaubens

Bischof Ordass und sein Schicksal ist nicht das Symbol des Kampfes des ungarischen Volkes gegen den Kommunismus geworden. Von seinem Freund, dem norwegischen Bischof Berggrav ist er immer gewarnt worden, für die Freiheit der Kirche mit politischen Mitteln zu kämpfen. Seine Haltung kann besser mit den Worten "Abwehr" und "Leiden" als mit dem Wort "Widerstand" ausgedrückt werden. Unter seinen geistigen Verwandten findet man eher einen Gandhi als einen Gregor VII., - ohne den Vergleich überstrapazieren zu wollen. Ordass ist zum Symbol eines unbesiegbaren Glaubens geworden.

In seiner Isoliertheit war er nicht imstande, gegen Angriffe von staatlicher Seite und von Seiten der Leiter seiner eigenen Kirche sich zu verteidigen. Sein 100ster Geburtstag wird auch in der heutigen ELKU nicht von allen gefeiert werden. Wie aber während seiner Gefangenschaft in 1948-50, denken auch heute Christen überall auf der ganzen Welt an ihn, als einen furchtlosen Zeugen des Glaubens und der christlichen Überzeugung in einer Welt voller Unterdrückung, Gewalt und Machtgier.

In der lutherischen Kirche in Wilmar / Minnesota-USA ist eine Tafel mit der "Wolke der Zeugen" (Hebr. 12,1) angebracht. Die drei letzten Namen heißen: Bonhoeffer, Berggrav und Ordass.

Nach einem Artikel von Pfr. L.G. Terray (Norwegen) überarbeitet von Pfr. P.Gémes (Weil der Stadt - Schafhausen / Ungarische Gemeinde Stuttgart)

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