Titel der Sendung: In Gottes Hand
Die zusammenhaltende Kraft der in Ausland lebenden Ungarn sind die christlichen Gemeinden.
Unsere Sendung erzählt von einem Besuch im Herzen Württenbergs, in der Landeshauptstadt Stuttgart.
In der schönen, mit Hügeln umgebenen Stadt leben viele Ungarn. Einige sind nach dem II. Weltkrieg ausgewandert; andere sind nach dem Aufstand in 1956 geflüchtet und haben hier Zuflucht und neue Heimat gefunden.
Wieder andere kehrten nach einige Jahren Amerika – Aufenthalt nach Europa zurück. Auch unter den jugoslawischen Gastarbeitern der 60-er Jahre gibt es viele Ungarn. Seit der Wende kommen viele ungarische Studenten und Arbeitnehmer.
Die hiesige Ungarische Protestantische Gemeinde gehört zu den Größten in Europa. Es kommen Evangelisch-Lutheraner, Evangelisch-Reformierte, Baptisten, Unitarier (=Anti-Trinitarier, Erklärung vom Übersetzer) und Mitglieder von Freikirchen zusammen; sie scheuen sich nicht, lange Wege zu überwinden.
Mitte Oktober 2002 gab es ein Dank – Jubiläums – Gottesdienst in der Lutherkirche im Stadtteil Bad Cannstatt, auf dem mehrere Hundert ungarische Christen feierten, daß die Gemeinde seit 1947 besteht.
Mit unserem Programm wollen wir für unsere Zuschauer ermöglichen diesen Gottesdienst mitzuerleben und einige Einblicke in den Alltag der Gemeinde gewähren.
¯Gesang: Lobet der Herren...
Pfr.Pál Gémes:
Wir danken dir Gott, daß du die Zukunft unserer Kirche und auch dieser Gemeinde in deiner Hand hältst.
Befreie uns von der Sorge und dem Kleinmut.
Wir danken dir, daß du in den letzten 55 Jahren über uns gewacht hast.
Öffne auch heute unsere Herzen, dein Wort möge guten Nährboden finden.
BIBELSTUNDE BEI FAMILIE SIMON (BÖBLINGEN)
Sándor Simon – gewählter Vorsitzender des Presbyteriums:
Seid herzlich gegrüßt, alle, die ihr an diesen Abend zur Bibelstunde in unser bescheidenes Heim gekommen seid, ganz besonderes die, die zu ersten Mal gekommen sind.
¯Gesang: 53. Jézus te égi szép
S.Simon:
Dieser gehbehinderter Mann hat die Rede von Paulus mit großer Aufmerksamkeit angehört und als die Blicke des Mannes und von Paulus sich trafen hat er gleich erkannt, daß der Mann sehr gläubig ist. Und dann hat ihmPaulus gesagt. Stehe auf und gehe! Und er stand auf und ging. An einer anderer Stelle steht: er tanzte und hüpfte und ging mit denen in die Kirche hinein und lobte Gott!
Pfr.István Gémes:
Ich möchte Euch das Territorium zeigen, wo sich all dies abgespielt hatte. Diese ist eine moderne türkische Landkarte, Claudia wird es nicht unbekannt vorkommen, sie war vor kurzen zu Urlaub dort.
Dieses Land ist 1500 km lang und war das Missionsfeld von Paulus.
Ikonium: 40-50 km
Chatal: es gibt heute noch Grabungen dort
¯ Gesang:
Unser Herr, Gott wir danken dir, daß wir heute zusammenkommen durften und das Du es möglich machst, daß wir hier in Deutschland 55 Jahre lang auf Ungarisch beten, singen und dein Wort hören dürfen. Bewahre uns vor dem Bösen. Wir befehlen uns und unsere Angehörigen in der Nähe und in der Ferne in deine schützende Hand. Bleibe bei uns Herr. Amen
¯ Kirche: Tintoretto Quintett
Begrüßung von Sándor Simon in die Kirche:
Lieben Festgemeinde, verehrte Gäste, wir sind heute zusammengekommen, weil wir ein Grund haben zum Danken für die 55 Jahre der Ungarn-Seelsorge in Württemberg.
Ganz besonders freuen wir uns, daß der verehrte Herr Bischof Dr Gerhard Maier zum ersten Mal unter uns ist und uns Gottes Wort auslegen wird.
Landesbischof Dr Gerhard Maier:
Ich bin in Ulm geboren. Früher war die Donau dort noch für Schifffahrt geeignet. Es sind viele von hier nach Österreich, Ungarn, Rumänien, Bessarabien, Südrussland gefahren. Heutzutage werden in Ulm internationale Donaufeste gefeiert, zu der Delegationen aus vielen Donaustädten eingeladen werden.
Schauen Sie mal, diese Ereignisse haben eine symbolische Bedeutung. Die Nationen haben nämlich ihre eigene Charakterzüge, die sie unbedingt pflegen und bewahren müssen.
Reporter Tamás Fabinyi:
Denken Sie, Herr Landesbischof, daß diese Gemeinde eine Brücke zwischen den Kirchen in Ungarn und in Deutschland bzw. Württemberg bildet?
G.Maier:
In der Tat hat diese Ungarische Gemeinde eine solche Brückenfunktion. Die Mitglieder gehören zu unserer Evangelische Landeskirche am jeweiligen Wohnort, und die Pfarrer hier sind auch Pfarrer unserer Landeskirche. Natürlich bringen sie ihre Erfahrung aus dem Lebenslauf mit sich. Und damit ermöglichen sie auch uns eine Horizonterweiterung. Die geschichtliche Verbindung zwischen Ungarn und Württemberg ist sehr stark, diese wird in der Ungarischen Gemeinde sehr gut wahrgenommen.
SAMSTAG NACHMITTAGS
ZUSAMMENKUNFT DER UNGARN aus dem
ehemaligen Jugoslawien
- Was hat sie heute zusammengefährt?
- Die Feier eines Geburtstages.
Wir kommen an manchen Samstag nachmittags zusammen, bereden, was Zuhause los ist, was es für Nachrichten gibt, wer gestorben ist.
- Woher kommen Sie?
Herr György Nagy (Gastgeber):
- Voilovica heißt der Ort auf Serbisch. Früher hat es auf Ungarisch Hertelendyfalva geheißen.
- Haben Sie schon, in den 60 Jahren, als Sie als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, gedacht, daß Sie auch bleiben?
- Nein. Während Tito haben wir nur kurze Aufenthaltgenehmigungen erhalten. Eigentlich wollten wir immer nur ein bißchen Geld verdienen um uns ein Haus leisten zu können. Aber dann habe sich die Zeiten verändert, sind viele Verwandte nachgekommen, die Alten starben langsam in der Heimat.
- Sie sagten, Ihre 3 Kinder sind schon hier geboren. Wo ist die Kinder getauft, konfirmiert worden?
Frau Nagy:
-
Früher sind wir gern nach Hause gefahren, um
mit den dortlebenden Verwandten, vor allem mit den Großeltern zusammen zu
feiern. Nun ist diese Generation langsam ausgestorben, so lassen wir die Kinder
eher in der Ungarische Gemeinde hier taufen und konfirmieren.
(Beispiele aus den anwesenden Familien)
- Danke für die Gastfreundschaft. Ich wünsche Ihnen, daß Sie weiterhin so schön zusammenhalten und daß Sie sich wohlfühlen in der Gemeinde und überhaupt in der neuen Heimat, aber vergessen Sie nicht die alte Heimat: Hertelendyfalva.
- Danke. Vergessen wir nicht. Alles Gute!
Pfr.I.Gémes:
Himmlischer Vater, der du den verlorenen Sohn nicht von dir stößt, sondern ihn zu dir nimmst. Wir bitten dich um dein Erbarmen, wenn wir mit unseren Sünden zu dir flehen. Wir bitten dich, vergib uns unsere Schuld um Jesus Christi willen.
Gnadenzusage
Frau Kinga Gyökössy – Rudesdorf:
Es ist uns eine große Freude, daß wir seit 3 Jahren einen Kreis für Junge Erwachsenen. Sie besprechen selbstgewählte Themen zu Glauben und Lebensfragen aber auch zur Literatur.
Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, rede ich mit meiner Tochter immer Ungarisch. In der letzte 10 Jahre bin ich bestimmt dreißig mal darauf angesprochen worden. Dann habe ich ein Handzettel dabei: Eine Einladung in die Gemeinde. Auf diese Weise gelingt es uns neue Mitglieder zu gewinnen. Das ist auch nötig, weil viele unserer Rentner nach Ungarn wegziehen.
Ich habe immer davon geträumt in Ökumene zu leben, so habe ich es auch im Haus meiner Eltern gelernt. Es ist so wunderbar zu erleben, daß wir auf einem riesigen Einzugsgebet verteilt leben und zwar von unterschiedlichen Konfessionen, aber doch alle ungarische Christen sind. Wir helfen einander bei Krankheit, Sorgen, Umzug, Arbeitslosigkeit.
HOCHZEITSTAGSBESUCH BEI DEM EHEPAAR VARGA (PÁL UND EDIT IN FELLBACH)
Pfr.I. Gémes: Was waren die 3 schönsten Ereignisse eures Lebens?
Herr Varga:
1. Daß ich meine Frau kennenlernen durfte.
2. Die Geburt der 3 Kinder.
3. Daß wir trotz großen Schwierigkeiten in Deutschland schnell diese Gemeinde kennengelernt haben und uns hier wohl fühlen dürfen.
Frau Varga:
Herr Varga:
Frau Varga:
Hier in Deutschland hatten wir viel größere Probleme als Zuhause. Aber irgendwie regelten sie sich. Unsere Gottesdienstbesuche und die Aktivitäten und die Kontakte der Ungarische Gemeinde haben uns immer genug Kraft gegeben.
Wenn wir Sonntag abends um 7 Uhr wieder Zuhause sind, sind wir gut aufgetankt.
Frau und Herr Varga:
Liebe Grüße an Frau Gémes.
KIRCHE:
Einsetzungsworte des Abendmahls
Frau Katalin Gémes:
Wir haben eine neue Jugendarbeit gestartet, über die wir uns sehr freuen. Es sind nicht die junge Erwachsenen, die wir früher bei den Pfadfindern kennengelernt haben: es sind völlig neue Leute. Viele Leben hier, andere sind nur vorübergehend in Deutschland als Au-pair, als Studenten oder als Arbeitnehmer. Sie kommen sehr regelmäßig und helfen auch gern in der Gemeinde, sind sehr interessiert.
Jeder der wegbleibt tut mir weh, aber unsere Kapazitäten und Begabungen haben auch ihre Grenzen.
Das andere: unsere Sonntagsschule ist richtig aufgeblüht. Es beteiligen sich Einige dabei aus der Kreis der vorhin erwähnten jungen Erwachsenen. Wir hatten schon Ausflüge und Wochenendfreizeiten für die Kinder organisiert. Außerdem sind sie auch unsere kleine „Theater – Gruppe“. Die Eltern helfen ganz hervorragend. Die Texte müssen Zuhause eingeübt werden.
„Abschiedsgruß“ von Tamás Gémes:
Diese Sendung erfolgte am 16.11.2002 im Rahmen des kirchlichen Programms des ungarischen Fernsehsenders DUNA-TV.
Die Übersetzung hat Nóra Gémes angefertigt; getippt ist sie von Lilla Somogyi. Stuttgart, Februar 2003