"Ich will dich nicht verlassen ..."

50 Jahre ungarischsprachige Gottesdienste in Stuttgart


Mit einem Dankgottesdienst

und Agape feierte am 7. September in der Lutherkirche und Gemeindehaus in Stuttgart-Bad Cannstatt die Ungarische Evangelische Gemeinde in Württemberg das 50-jährige Bestehen der ungarischsprachigen Seelsorge.

Rund 500 Besucher nahmen teil am Festgottesdienst, obwohl wir in großer Sorge waren, denn der Termin lag in den Schulferien und viele waren aus dem Urlaub noch nicht zurückgekehrt. Der württembergische Landesbischof Eberhard Renz hielt die Predigt über Matthäus 6,25-34: "Sorget nicht ...". Die Bischöfe Dr. Béla Harmati, Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen in Ungarn und Árpád Mózes von der Synodalpresbyterianischen Evang. Kirche A.B. in Rumänien teilten das Abendmahl aus, zusammen mit den "Ortspfarrern" István Gémes und Pál Gémes (Stuttgart - Heilbronn) und Paul Varga (Ulm - Heidenheim).

Der Gottesdienst war zweisprachig und die Gottesdienstliturgie aus unserem ökumenischen Liederbuch "Dícsérjétek az Urat" (Lobet den Herren, 2.Auflage Stuttgart 1991). Es nahmen zahlreiche deutsche Gäste teil, sowohl persönlich eingeladene, als auch Mitchristen der Luther-Kirchengemeinde. Mit uns freuten sich und feierten auch die Schwestern und Brüder aus unserer ungarischen katholischen Kirchengemeinde, unter Leitung von Pfarrer János Horváth. Die gesungenen Lieder waren sowohl im ungarischen, wie auch im deutschen Gesangbuch zu finden und die Gelegenheit bot sich an, die beiden ungarischen Lieder aus dem neuen Evangelischen Gesangbuch den deutschen Gästen vorzustellen: "Es ist köstlich dir zu sagen Lob und Dank" (EG 284, "Mely igen jó az Úristent dícsérni") und "Du schöner Lebensbaum des Paradieses (EG 96, "Paradicsomnak te szép élöfája").

Feierlich und in geschwisterlicher Eintracht standen wir in einem großen Kreis um den Altar: Reformierte, Lutheraner, Freikirchler, Unitarier - also alle, die wir uns zu dieser ungarischsprachigen Gottesdienstgemeinde als die unsere bekennen - und empfingen das Heilige Abendmahl zusammen mit unseren deutschen Freunden. Dankbar gegenüber Gott dachten wir an die früheren Seelsorger, Presbyter, Gemeindemitarbeiter und Helfer - Frauen und Männer - , die in den vergangenen 50 Jahren sich dafür einsetzten, daß unter den Flüchtlingen, Heimatlosen, Vertriebenen, Gastarbeitern und Hiergeborenen Gottes Wort auch in der Muttersprache erklingen konnte.

Nach der ungarischen Hymne luden wir alle Anwesenden zum Festnachmittag mit Agape in das Luthergemeindehaus ein. Die Kuchenteller waren in der Küche diesmal besonders reich mit Leckereien von vielen fleißigen Händen versehen worden. Dar Saalschmuck und die großen Ziffern "50" auf der Bühne rundeten den festlichen Hintergrund ab.

Das Festprogramm bestand aus einer Reihe von Grußworten, erwähnt sei vor allem die von Kirchenrat Dr. Edmund Ratz, Lutherischer Weltdienst, einem verläßlicher Wegbegleiter und Förderer unseres Dienstes. Die Grußworte und kurze Berichte waren umrahmt von drei kurzen Auftritten der ungarischen Volkstanzgruppe "Csöbörcsök" aus Stuttgart, die es sich nicht nehmen ließ auf dem Fest "ihrer Gemeinde" mitzuwirken.

Zum Ende der Veranstaltung wurde Pfarrer István Gémes gleich zweifach überrascht: im Namen von Präsident Gohde wurde ihm für seine missionarische Arbeit das Goldene Kronenkreuz des Diakonischen Werkes der EKD überreicht. Der so Geehrte dankte und "teilte" seine Auszeichnung zu je einem Drittel unter der ungarischen Gemeinde, seiner Frau und sich selbst auf. Die zweite Überraschung bereiteten die Presbyter selbst, die dem Pfarrerehepaar für 25 Jahre Dienst dankten und ihnen Blumen und Dankesurkunden überreichten.

Das Schönste über diesen Tag hat aber gewiß Frau Renz gesagt, als sie bei der Verabschiedung sich von der familiären Atmosphäre in der Gemeinde am meisten beeindruckt zeigte.

"Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen!" (Jos 1,5) - dieses alttestamentliche Wort war der Jubiläumsfeier auf der Einladung und in der Jubiläumsschrift vorangestellt: Gott sei dank, daß er treu zu seinem Wort steht. Für uns ist's eine Herausforderung: damit wir auch treu seien.

pg


Ein Kurzbericht mit Bild ist auch im Evang. Gemeindeblatt für Württemberg zu finden: 91.Jhgg.Nr.41.(vom 12.Okt.97), S.19.


Jubiläumsheft 1997

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