JUBILÄUMSHEFT:

50 Jahre
Evangelischer Seelsorgedienst an Ungarn in Württemberg


Bericht von der Jubiläumsfeier


Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen. (Josua 1,5)


INHALT:

Einbindung in die Evang. Landeskirche in Württemberg

Alle vier Seelsorger sind, bzw. waren Pfarrer der Landeskirche. Alle üben/übten ihre Tätigkeit in der un-garischen Sprache neben ihrer eigentlichen württembergische Gemeindearbeit im Auftrage der Landeskirche - sozusagen nebenamtlich aus. Es ist dankend hervorzuheben, daß die Landeskirche stets für ungarischsprechende Pfarrer gesorgt hat.

Gute Beziehungen zu unserer Landeskirche waren uns immer selbstverständlich. Dank gebührt Herrn Dr. Weber, KR Hirsch, OKR Arnold und ihrer Mitarbeiter für mancherlei Beistand und Unterstützung.

Beziehungen persönlicher Art haben sich zu den Herren Landesbischöfen Class, von Keler und Sorg, sowohl auch zu OKR Gottschick entwickelt.

Voller Zuversicht schauen wir in die Zukunft auch in diesem Jubiläumsjahr. Indem wir Verständnis für die finanzielle Lage unserer Landeskirche haben, sind wir auch dabei, ihr zu helfen. Beanspruchen möchten wir nur das aus der Reformation abgeleitete Recht, das Wort Gottes in der Muttersprache hören zu dürfen.

Unsere Gemeinde bietet ihre Dienste auch heute denjenigen an, die Gottes Wort in einer für sie verständlichsten Sprache hören wollen. Ihre Loyalität der Württembergischen Landeskirche gegenüber will sie so zum Ausdruck bringen, daß sie nicht als Verein, sondern als Gemeinde innerhalb der Landeskirche leben will. Schließlich tut sie ihren Dienst in ungarischer Sprache an steuerzahlenden Mitglieder der Landeskirche - als Aushilfe und Ergänzung.

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BEGEGNUNGEN - BEZIEHUNGEN

Wir haben schon immer die Beziehungen zu den anderen Ausländergemeinden, wie auch mit den gastgebenden (deutschen) Ortsgemeinden sorgfältig gepflegt, z.B. im Rahmen der Woche des Ausländischen Mitbürgers haben wir gemeinsame Gottesdienste und Programme mitgestaltet. Mit der Cannstatter Luthergemeinde haben wir an Gemeindefesten mitgewirkt.

Als Gastgeber haben wir in der Lutherkirche mit der italienischen, griechischen, koreanischen, niederländischen, anglikanischen und vietnamesischen Gemeinden Gotte-dienst gefeiert, was wir früher in der Stuttgarter Matthäus-Gemeinde auch schon selbst mitgestaltet haben.

In zwei Fällen waren die Koreaner bei uns zu Gast, wir waren einmal eingeladen. Einen "finnisch-ugrischen" Gottesdienst haben wir mit der finnischen und estnischen Gemeinden gefeiert, dann noch zweimal einen finnisch-unga-rischen.

Großen Wert legten wir immer auf die gute Beziehungen zum Lutherischen Weltdienst - Deutsches Natio-nalkomitee. Wir haben viel zu danken Dr. Eberhard und Dr. Edmund Ratz. Durch den Weltdienst pflegen wir gute Kontakte zu den estnischen, lettischen und litauischen Exilkirchen, zu dem polnischen Seelsorgedienst und zu den evang.luth. Russlanddeutschen.

Der LWD hat uns unsere Abendmahlsgeräte geschenkt: "... In appreciation of devoted labour among refugees - Lutheran World Federation, Service to Refugees, 28. June 1949."

Von Anfang an waren wir bei den Tagungen für Flüchtlinge immer dabei. Bis heute nehmen wir an den jährlichen theologischen Tagungen des LWD aktiv Teil.

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UNSERE WURZELN - wo stammen wir her? I.

Weil wir Ungarn, bzw. ungarischer Abstammung sind, dementsprechend kommen wir aus fast allen Gebieten der Welt, wo Ungarn leben. Doch sind sechs Hauptgruppen unter uns schnell auszumachen:

1. Der Rest des großen Flüchtlingsstromes nach dem 2. Weltkrieg, - diejenige, die nicht auswanderten oder daran verhindert wurden, bzw. sich endgültig in Deutschland niederlassen wollten. Von diesen sind heute nur noch einige Personen am Leben.

2. Die Flüchtlinge des Ungarnaufstandes 1956. Von ihnen nehmen ganz wenige am Gemeindeleben teil.

3. Eine starke Gruppe: die Gastarbeiter, die - hauptsächlich aus Batschka und Banat (ehem.Jugoslavien) kom-mend, der dortigen ungarischen Minderheit zuzuzählen sind.

4. Nach Übersee ausgewandert, inzwischen zurückgewanderte Ungarn.

5. Seit den 60er Jahren bis zur politischen Wende ununterbrochen aus Ungarn ankommende "Dissidenten".

6. Als letzter großer Schub: die Rumänien-Flüchtlinge der dortigen ungarischen Minderheit.

Laut Erhebung verfügen unsere Gemeindeglieder über Pässe von etwa 15 verschiedenen Staaten. Viele besitzen schon die deutsche Staatsbürgerschaft.

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UNSERE WURZELN - wo stammen wir her? II.

Dementsprechend reichen unsere kirchliche Wurzeln in sehr viele Kirchen und Länder zurück:

Evang.lutherische.:
Luth.Kirche in Ungarn, Ung.Luth.Kirche in Jugoslavien, Ung.Luth.Kirche in Rumän./Siebenbürgen,
Luth.Kirche in der Slowakei

Evang.-reformierte:
Ref.Kirche in der Ukraine, Ref.Kirche in der Slowakei, Ref.Kirche in Jugoslavien, Ref.Kirche in Rumän./Siebenbürgen, Ref.Kirche in Ungarn

Evang.-freikirchliche:
Baptistenkirche in Rumän./Siebenbürgen, Baptistenkirche in Ungarn, Ev.Gemeinschaft (Brüdergemeinde) in Ungarn, Baptistenkirche in Jugoslavien, Methodistenkirche in Ungarn, Baptistenkirche in der Slowakei

Sonstige:
Unitarierkirche in Rumän./Siebenbürgen, Griechisch-kath.Kirche in Ungarn, Röm.Kath.Kirche in Ungarn, Adventistenkirche in Ungarn


GELEBTE ÖKUMENE

Schon die gezeigten Wurzeln lassen es erahnen daß wir aus den verschiedensten Denominationen stammen. Unser Stuttgarter Ökumenischer Modell will es uns erläutern. So wird eine gelebte Ökumene in unserer Gemeinde praktiziert, ein Hauch von dem Wunsch unseres Herrn, "damit sie alle eins seien".

Mit Hilfe des Diakonischen Werkes der EKD ist schon in zwei Auflagen ein eigenes Gesangbuch erschienen, in dem Liedgut lutherischer, reformierter, freikirchlicher Provenienz zusammengetragen ist, und es verbindet uns sehr.

Wir bekennen uns gerne zu unserer Ökumene in der Gemeinde!

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UNSERE "HERBERGEN"

Unser Wanderschicksal spiegelt sich auch in dieser Hinsicht treu wieder. Anhand unseres Bildmaterials konnten folgende gastfreundliche Gemeinden/Kirchen/ Gemeindehäuser als sicher ausgemacht werden:

In Stuttgart (1947-1975)

Altpietistische Gemeinschaft, Furchtbachstr.

Schloßkirche,

Hospitalkirche,

Leonhardskirche,

(ab 1975) - Lutherkirche (Bad Cannstatt)

(Unbekannt ist, wo 1947 in Stuttgart der erste Gottesdienst in ungarischer Sprache stattgefunden hat.)

Heilbronn (ab 1990) - Matthäuskirche, Sontheim

Ulm (ab 1980) - Haus der Begegnung

Ehingen - Evang. Stadtkirche

Heidenheim - Versöhnungskirche

Dietenheim - Evang. Kirche


DIE ENTWICKLUNG DER GEMEINDEARBEIT

Aus den Jahren 1947-1972 haben wir kaum statistische Angaben. - Seit 1972 hat sich die Arbeit in Stuttgart und Heilbronn, wie unten dargestellt, entwickelt.

In 25 Jahren:

55.442 Gottesdienstbesucher
7.331 Abendmahlsgäste


"HAUSGEMEINDEN";

Schon wegen unserer geographischen Zerstreuung ist es ratsam jede Möglichkeit zu ergreifen, die uns zur Gemein-schaft verhelft. Nach neutestamentlichem Muster wird versucht, kleine "Hausgemeinden" aufzubauen. Ihre personelle und thematische Zusammensetzung mag voll verschieden zu sein, doch finden die Zusammenkünfte in familiärem Umgebung, in Häusern/Wohnungen statt.

Zur Zeit arbeiten wir in sechs verschiedenen Gruppen, die jeweils zwischen 10-30 Personen umfassen:

a. Die traditionelle Hausbibelstunde;

b. Einführung in das Christentum;

c. Erwachsenenbildung;

d. Samstagstreff für Alleinstehende;

e. Junge Erwachsene;

f. Junge Ehepaare.

Ihr Vorteil: die Unmittelbarkeit, die Möglichkeit der Gemeinschaft in Bewegungsetzung der Gemeinde durch die Kleingruppen, die Überschaubarkeit und gute Gelegenheit der direkten Seelsorge.


KINDER - JUGENDARBEIT

In vielfältiger Weise kümmern wir uns um die Heranwachsende. Parallel zu unseren Gottesdiensten gibt es Kin-derkirche, die in die vertrauten Hände von Schw. Erzsébet Kelemen, Erzsébet Szunyog, Tibor Sauerwein und Klaudia Simon gelegt ist. Während unserer Agapes wird Kinderbetreuung organisiert von Frau Edit Varga. Auch an dieser Stelle sei ihnen allen herzlich gedankt!

"Ältere" Jugendliche fassen wir in einer Jugendgruppe zusammen, derer Aufgabe ist das Haltgeben für junge Menschen, die oft in einem religiösen Vakuum leben und das Evangelium, auch als Lebensgrundlage, bitter nötig haben.

Mitorganisatoren und Mitgestalter sind wir der jährlich einmal in der Karwoche stattfindenden Europäischen Evang. Jugendkonferenz, die jeweils in anderen Städten stattfindet, zu der auch Jugendliche aus Osteuropa immer wieder eingeladen werden. Zusammen mit der röm. kath. Jugendorganisation "Pax Romana", und der Prot.Freien Univer-sität organisieren wir 5-jährlich den ökumenischen Jugend-treff.

Zusammen mit der Ungarischen Rk.Mission tragen wir Verantwortung für ein rechtes Funktionieren der Ortsgruppe Stuttgart des Ungarischen Auslands-Pfadfinderbundes. Über finanzielle Unterstützung hinaus sorgen wir auch für die seelsorgerliche Betreuung in der Ortsgruppe, in Jugendlagern und im I. (Europäischen) Bezirk des o.e. Bundes.


Themen der Evangelisationen, Bezirkskonferenzen

1973 - Er ist das Leben - wie soll es heute bezeugt werden? Dachswald

1974 - Gemeinschaft und Verantwortung Dachswald

1975 - Wer bin ich? Stuttgart, JH

1976 - Anbetung Gottes Bad Cannstatt

1977 - Glaubt der Mensch von heute? Ludwigsburg, JH

1978 - Seid heilig! "

1979 - "Höre, Mensch: kämpfe und vertraue!" "

1980 - "Gott, den das Wissen der Weisen

nicht erreicht" "

1981 - "Hasse diese Welt von Herzen" "

1982 - "Wohlan, auf zum Heiraten!" "

1983 - Du wirst ein anderer Mensch werden "

1984 - Gott gibt Zeichen "

1985 - Ich habe dich zum Wächter bestellt "

1986 - Begegnungen mit Jesus "

1987 - "...was ihr habt, das haltet fest..." "

1988 - Frauen und Männer - eins in Christus Esslingen, JH

1989 - Treu ist Gott, der euch berufen hat Ludwigsburg, JH

1990 - Gefährliche Freiheit Stuttgart, JH

1991 - -

1992 - Brückenschlag Ludwigsburg, JH

1993 - Reisemantel aus Staub langer Wanderwege "

1994 - Wir sehen jetzt durch einen Spiegel "

1995 - Geduld bringt Rosen "

1996 - "Du hast die Vorfahren

ins Karpatenbecken geleitet" "

1997 - Schmied eigenen Glücks? "

Mehr als 1500 Teilnehmer und etwa 80 in- und ausländische Referenten wirkten mit.


Die ungarische YMCA/YWCA-Gruppe in Stuttgart.

Sehr früh hat sich innerhalb der YMCA-Stuttgart (CVJM) eine lebendige ungarische Gruppe gebildet. Zu ihren interessanten Merkmalen gehörte auch die Tatsache, daß sogar der Pfarrer der Ungarischen Röm. Kath. Mission dort Mitglied war. Dieser Gruppe gehört bis heute auch eine große ungarische Leihbibliothek, die z.Z. bei der Ung.Kath.Mission untergebracht ist. Die Gruppe hat sich am 07.10.1950 konstituiert, und ist in die Internationale YMCA-Organisation als Mitglied aufgenommen worden.

Zeitweilig haben sich 160 Mitglieder der "Pariser Formel" verpflichtet. Langjährge Vorsitzende waren István Szalay und Ottó Csepinszky. Letzter Vorsitzender der Gruppe war, bis zu seinem Ableben in 1994, der Ing. Archit. János Sahin.


KURZER ÜBERBLICK DER SEELSORGE IM ULMER RAUM

Anfang September 1980 haben die Mitglieder der ungarischen protestantischen Gemeinde folgende Nachricht in einem Rundbrief lesen können: "Mit Freude informieren wir unsere Schwestern und Brüder, daß wir die ungarisch-sprachige Seelsorge in der Zukunft erweitern. Ab Herbst (d.J.) werden wir zwei Gottesdienste monatlich haben... am zweiten Sonntag des Monats in Stuttgart... am vierten Sonntag im Monat in Ehingen... Wir erbitten Gottes Segen für die "alten" und für die neuen Gottesdienste. Die Pfarrer: István Gémes und Paul Varga."

Für die Gemeindemitglieder im Ulmer Raum fand der erste protestantische Gottesdienst am 28. September 1980 statt. In der evangelischen Kirche in Ehingen/Donau haben daran 26 Gläubige teilgenommen.

Seitdem - also seit über 17 Jahren - halten wir regelmäßig Gottesdienste in Ulm bzw. in der Gegend von Ulm. Bisher gab es Gottesdienste in: Ehingen/Donau, Ulm, Heidenheim, Dietenheim, aber auch in Friedrichshafen, Senden, Grönenbach und Mochenwangen! Wir sind eine echte Diaspora-Gemeinde und eine ökumenische Gemeinschaft. Gute Beziehungen haben wir zu den ungarischen kathol. Gemeinden, wie auch zu den deutschen evang. Gastgeber-gemeinden. Die Zahl unserer Gemeindemitglieder liegt bei ca. 180-200, wir haben 5 Kirchenräte.


PFARRER IN DER GEMEINDEN

STUTTGART

Bertalan Négyessy

Stammt aus Nordungarn. 1951 nach USA ausgewandert, von dort nach der Wende zurück nach Ungarn.

Lajos (Ludwig) Kótsch

Aus Lajoskomárom/Ungarn. Pfarrer in Stuttgart-Münster, Ungarnseelsorger bis 30.09.1972.

STUTTGART és (1990-tôl) HEILBRONN

István Gémes

Aus Szarvas/Ungarn. Pfrarrer in Skandinavien, Brasilien, Hannover.Landeskirche, Lutherkirche Stuttgart-Bad Cannstatt. Ungarnseelsorger 01.11.1972 - 31.12.1996.

Pál István Gémes

Geboren in Sao Paulo/Brasilien - Pfarrer in Weil-der-Stadt/Schafhausen. Ungarnseelsorger ab 01.01.1997

ULM, HEIDENHEIM, DIETENHEIM

Paul Varga

Aus Rumänien - Pfarrer in Dietenheim. Ungarnseelsor-ger seit 1980 in der Ulmer Gegend.

MITARBEITER

Schwester Erzsébet Kelemen

Laienvorsitzenden

Stuttgart - István Szalay

Stuttgart-Heilbronn - Sándor Simon

Ulmer Gegend - Bálint Aszalós

Kirchenvorstand (z.Zeit)

STUTTGART/HEILBRONN:

Bálint József - Freiberg/N, Csanki Gáborné, Zsuzsanna - Heilbronn, Fiatfalvy Máthé Magda - Ludwigsburg, Gyökössy Kinga - Fellbach, Kováts Miklósné, Ildikó - Waiblingen, Nagy György - Stuttgart, dr. Ritter Lajos - Stuttgart, Sauerwein Tibor - Böblingen, Varga Pál - Waiblingen

ULMER GEGEND:

Szabó Ákos, Neu-Ulm, Petrányi Hortenzia, Ulm, Máthé Zoltán, Heidenheim, Takács György, Heidenheim.

Organisten

Dr. Kalmár Tibor, Förster Gusztáv, Kiss Lajos, Faragó Zoltán, Kálmán Attila, Gruber Zoltán

Kinderkirchemitarbeiter

Schw.Kelemen Erzsébet, Sauerwein Tibor, Simon Klaudia, Szunyog Erzsébet

Mesner

Gémes András, Szilágyi György, Cser Gábor, Sauerwein Theo,Nagy György

Es laden folgende Teilgemeinden ein:

STUTTGART - Lutherkirche, Bad Cannstatt

HEILBRONN - Matthäuskirche, Sontheim

ULM - Haus der Begegnung

HEIDENHEIM - Versöhnungskirche

DIETENHEIM - Christi-Himmelfahrt-Kirche

und ihre Pfarrer: István Gémes , Paul Varga , Pál István Gémes

Pfarrbüros:
D-70184 Stuttgart, Gänsheidestr. 9, Tel. 0711/23-49-529 - Fax: 0711/23-49-530

D-89165 Dietenheim, Carl-Otto-Str. 1, Tel. 07347/76-21


Bericht von der Jubiläumsfeier

Homepage der Gemeinde